Warum Meditation und Achtsamkeit für viele Menschen nichts ist…

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Das Einstellungsparadoxon – unsere anerzogenen Einstellungen und Reaktionen bringen uns in der Übung von Achtsamkeit und Meditation nicht weiter. 

Zielorientierung, Ehrgeiz, Verlangen, Ungeduld, Urteilen, Ablehnung, Expertentum und Mißtrauen sind die größten Hindernisse.

Die Übung von Achtsamkeit hat zum Ziel, ein entspannteres Leben zu führen und sich von Belastungen zu befreien, die Stress oder Leidensdruck verursachen.

Jedoch fängt mit dem Begriff „Ziel“ im Kontext von Achtsamkeitsübung oder Meditation das erste Mißverständnis an und vielen Menschen bleiben die gesundheitsfördernden und heilenden Erfahrungen dieses Übungsweges verschlossen.

Wenn wir uns Ziele setzen und darauf ausgerichtet etwas tun, produzieren wir häufig Erwartungen. Erwartungen an ein Ergebnis in der Zukunft. In Bezug auf die Übung der Achtsamkeit liegt die Gefahr darin, dass wir beurteilen, ohne den Dingen die Zeit gegeben zu haben, Ihre natürliche Entwicklung zu nehmen. Wir versprechen uns lielsnelle Ergebnisse und das sichtbar, wahrnehmbar und effizient. So kennen wir das aus vielen Lebensbereichen und sind ein Leben lang darauf konditioniert ohne uns dessen bewusst zu sein – beim Sport, bei Diäten, im Beruf, in Partnerschaften. So sind wir erzogen und von unserer Gesellschaft in der es immer mehr um höher, weiter, schneller geht, geprägt. Streben nach Gewinn und das mit möglichst gutem Aufwand-/Nutzenverhältnis.

Doch es geht hier nicht um Kritik an der modernen Leistungsgesellschaft. Sie ist wie sie ist. Dennoch wollen immer mehr Menschen lernen, in Ihr besser zurechtzukommen. Sie sind auf der Suche nach Entspannung, innerem Gleichgewicht, Zufriedenheit und Glück. Der dynamische Alltag bietet auch große Wachstumschancen und wo immer auch Wachstum ist, kommen Menschen oder Organismen irgendwann an Grenzen, die dazu führen, dass sich für uns neue Entwicklungsfelder auftun.

Daher ist es besonders wichtig, wenn man sich für die Übung der Meditation und Achtsamkeit interessiert, die innere Einstellung dahingehend zu reflektieren, warum man diesen Weg wirklich gehen will und vor allem mit welcher Haltung man ihn gehen sollte.

Denn bei der Übung von Mediation oder Achtsamkeit ist ziemlich genau das Gegenteil von dem notwendig, was wir „normalerweise“ tun:

1. Nicht Urteilen statt Urteilen

Wenn wir erste Erfahrungen z.B. mit Meditation machen, wird sich anfangs schnell unser „Alltagsverstand“ melden und innere Stimmen produzieren:

  • Was mache ich hier eigentlich? Das ist doch nichts für mich.
  • Das ist aber langweilig und das soll was bringen?
  • Das fühlt sich unangenehm an.
  • Wie lange dauert das noch? Das geht mir zu langsam.

In der Meditation geht es genau darum, diese Gedanken einfach nur wahrzunehmen und mit Ihnen zu sein, zu erfahren, was passiert, wenn man den Impulsen und Gedanken nicht nachgeht und z.B. die Übung abbricht.

2. Anfängergeist statt Expertengeist

Man stellt sich so gut es geht immer wieder vor, man würde die Erfahrung die wir im jetzigen Moment machen zum ersten Mal machen. Frisch, unvoreingenommen, offen und weit. Man nimmt seine Gedanken und Urteile wahr, schaut auf die körperlichen Empfindungen und löst sich von der automatischen Reaktion nach festgefahrenen Mustern so gut es einem möglich ist. Wie durch die Augen eines Kindes nimmt man den Moment wahr und reagiert bewusst und nicht auf Basis der Muster aus der Vergangenheit – jedenfalls nicht unbewusst.

3. Geduld statt Ungeduld

Geduld ist eine Form der Weisheit. Eine Weisheit, hinter der das tiefe Wissen steckt, dass Dinge Ihre Zeit brauchen, um Ihre Wirkung zu entfalten. In dieser Haltung geben wir der Übung eine Chance, Ihre Wirkung langsam und stetig in uns zu entfalten. Schließlich haben wir auch Jahre oder Jahrzehnte gebraucht, um so werden, wie wir heute sind. Die gleiche Zeit sollten wir gewünschten Veränderungen ebenso einräumen – auch wenn es in vielen Fällen deutlich schneller geht.

4. Vertrauen statt Misstrauen und Zweifel

Einer Sache zu vertrauen, die nicht so schnell wirkt, wie ein paar Gläser Wein oder eine Tablette ist nicht einfach. Dem Körper wieder vertrauen zu lernen, darauf, dass er die richtigen Signale sendet, was einem gut tut oder was einen eher belastet, wird Vertrauen im Sinne der Achtsamkeitspraxis genannt. Der Körper ist der Schlüssel zur Wahrnehmung von Stress und zu „Ankommen“ im jetzigen Moment. Darauf können wir uns verlassen, auch wenn es anfänglich etwas Übung erfordert, die Signale des Körpers wieder wahrzunehmen.

5. Loslassen statt Festhalten

Wenn wir Gedanken oder Gefühle haben, die unangenehm sind, neigen wir dazu, diese wegschaffen oder verdrängen zu wollen. Bei angenehmen Gefühlen oder Gedanken neigen wir dazu, diese festhalten oder verstärken zu wollen. Beides ist hinderlich bei der Übung. Deswegen übt man sich im Loslassen von Anhaftungen und Ablehnung.

6. Nicht-erzwingen statt Ehrgeiz und Verlangen

Wie vorher beschrieben, versuchen wir häufig das erreichen von Zielen durch übertriebenen Ehrgeiz und Einsatz zu erzwingen. Wir sind dann nicht mit dem eigentlichen Tun im gegenwärtigen Moment verbunden sondern ein großer Teil unserer Energie und Gedanken ist auf das Erreichen des Ziels fokussiert. Darunter leidet das Tun – das ja nur im jetzigen Moment selbst möglich ist. Wenn wir so handeln können wir bei genauem Hinsehen fühlen, dass wir vom Tun „entkoppelt“ sind und nur ein Teil von uns wirklich dabei ist. Das wirkt sich zwangsläufig auf das Ergebnis jeder unserer Handlungen, die nicht in voller Hingabe verrichtet werden negativ aus. Nicht-erzwingen wird daher zum wichtigen Prinzip der Übung.

7. Akzeptanz

Der gegenwärtige Moment ist so, wie er ist. Er bietet uns ein großartiges Übungsfeld für die Entwicklung von Akzeptanz. Das bedeutet nicht, dass wir alles akzeptieren müssen, was uns im Leben widerfährt und nicht an Veränderungen arbeiten können. Es geht vielmehr darum, zu akzeptieren, dass der jetzige Moment oder unser jetziger Zustand so ist, wie er ist. Wenn wir den Moment oder unseren Zustand verurteilen, verschwenden wir unnötige Energie darauf, gegen das was ist anzukämpfen, statt uns darauf auszurichten, was wir tun oder verändern wollen.

Die o.g. Grundhaltungen stehen für sich alleine genommen und doch sind sie Aspekte einer einzigen Haltung. Vertiefen wir eine dieser Grundlagen in unserem Leben, zahlt diese automatisch auf die Weiterentwicklung der anderen Grundlagen ein. Wenn wir dann noch Disziplin und Entschlossenheit als weitere Aspekte hinzufügen, erschliessen sich die Wirkung von Meditation und Achtsamkeit für uns automatisch.

 

 

 

 

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